Sinnvolle Gesundheitstests aus der Apotheke

Die Messung des Blutdrucks, des Cholesterins oder der Lungenfunktion können helfen, den eigenen Gesundheitszustand besser einzuschätzen – auch wenn sie die Untersuchung beim Arzt nicht ersetzen.

Erkrankungen machen nicht immer sofort auf sich aufmerksam. Bei Vorbelastungen innerhalb der Familie sowie im fortgeschrittenen Alter ist es deshalb sinnvoll, regelmäßig auf erste Anzeichen zu achten. Die Apotheken bieten hierfür zahlreiche Gesundheitstests an, die gleich dort, aber auch zu Hause vorgenommen werden können. „Die folgenden Gesundheitstests können wir uneingeschränkt empfehlen“, erklärt Dr. Ursula Sellerberg, stellvertretende Pressesprecherin der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), schränkt aber ein: „Die Ergebnisse können eine grobe Orientierung bieten, wie der eigene Gesundheitszustand ist und ob man eventuell seine Lebensgewohnheiten verändern sollte. Eine Diagnose kann aber nur der Arzt stellen.“

Body-Mass-Index (BMI): Mit ihm ist eine Aussage über Unter-, Normal- und Übergewicht möglich. Berechnet wird der BMI über die Formel Körpermasse in kg geteilt durch Körpergröße in m². Untergewicht liegt bei einem BMI < 18,5 vor, Normalgewicht bei 18,5-24,9 und Übergewicht bei ≥ 25. Wer seine Maße nicht kennt, kann sich in der Apotheke messen und wiegen lassen. Der Service kostet mitunter eine geringe Gebühr (ca. 0,50 €).

Körperfettverteilung: Eine Bestimmung des Taille-/Hüftumfang-Verhältnisses (Waist-to-Hip-Ratio, WHR) ist ab einem BMI von 25 empfehlenswert. Es wird bestimmt als Quotient aus Taillen- und Hüftumfang in cm und gibt Auskunft über das Risiko für Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Der WHR sollte bei Männern unter 1,0 und bei Frauen unter 0,85 liegen. Sellerberg: „Diesen Test am besten in der Apotheke durchführen lassen. Dort weiß man, wo das Maßband anzulegen ist. Während des Messens normal weiteratmen, nicht die Luft anhalten.“ Geringe Kosten (< 5 €).

Blutdruck: Bluthochdruck entsteht häufig unbemerkt und kann dann folgenschwere Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System haben. Mindestens einmal jährlich sollte man darum eine Blutdruckmessung in der Apotheke in Anspruch nehmen (Schutzgebühr). Gemessen wird meist mit der Manschette am Oberarm. Werte ab 140/90 mmHG sind kritisch zu beurteilen. „Vor der Messung Anstrengungen wie Treppen steigen, kurz vorher Kaffee trinken und eine Zigarette rauchen besser unterlassen“, empfiehlt die ABDA-Mitarbeiterin. Wer Bluthoch­druck hat, für den kann ein Messgerät für zu Hause sinnvoll sein.

Blutzucker: Für eine Messung des Blutzuckerspiegels entnimmt der Apotheker einen Tropfen Blut aus der Fingerbeere und misst den Glucose-Gehalt. Beträgt der Wert nüchtern über 100 mg/dl, ist er kritisch einzustufen, nach einer Mahlzeit bei über 160 mg/dl. Möglicherweise liegt eine Diabetes-Erkrankung vor. Haben Sie zuvor eine Mahlzeit eingenommen, teilen Sie mit, wie lange diese her ist. Doch Achtung: „Der Test zeigt immer nur eine Momentaufnahme. In kritischen Fällen lieber noch einmal nachprüfen lassen“, so Sellerberg. Glucose-Teststreifen für den Urin (50 Stck. ca. 25 Euro) vereinfachen zwar eine Messung. „Für ein normales Screening reicht ein Test im Jahr aber völlig aus.“ Gebührenpflichtig (< 5 €).

Tipp: Diabetiker sollten ihren Langzeit-Blutzuckerwert HbA1c regelmäßig checken lassen. Er gibt an, wie viel Glucose am roten Blutfarbstoff (Hämoglobin) angelagert ist. Als normal gilt ein Wert bis 6,5 Prozent. Ebenfalls gebührenpflichtig (ca.0,50 €).

Blutfettwerte: Beim Messen der Blutfettwerte werden inzwischen standardmäßig „gutes“ HDL-Cholesterin, „schlechtes“ LDL-Cholesterin sowie Triglyzeride überprüft (kostenpflichtige Leistung, zwischen 5 und 10 €). Dafür braucht man wieder einen Blutstropfen. Die Werte geben Rückschlüsse auf ein Risiko für Gefäßerkrankungen. Der Wert des Gesamt-Cholesterinwerts allein hat nur eine geringe Aussagekraft.

Schwangerschaft: Schwangerschaftstests ermitteln, ob im Morgenurin das Schwangerschaftshormon ß-HCG (Humanes Chloriongonatropin) vorhanden ist. Die Tests sind als sicher einzuschätzen, für zu Hause gedacht und liegen preislich zwischen etwa 5 bis 20 Euro, je nach Anzahl der Teststreifen und Produkt.

Lungenfunktion: Für die Peak-Flow-Messung wird ein kleines Plastikröhrchen benutzt, in das man hineinpustet. Je nachdem, wo die Kennzeichnung auf der Mess-Skala stehen bleibt, weiß man, wie gut man das Asthma im Griff hat. „Asthmapatienten können sich am Wert orientieren, ob z. B. der Sport anschlägt oder auch die Therapie.“ Die regelmäßige Überprüfung des Peak-Flows ist vor allem für Asthmatiker wichtig. Es gibt aber ab und zu Screening-Aktionen, bei denen Gesunde ihre Lungenfunktion in Apotheken überprüfen lassen können (gebührenpflichtig). Messgeräte kosten um die 25 Euro.

Blutgerinnung: Manche Apotheken bieten für Menschen mit einer Hämophilie (Blutgerinnungsstörung) einen Test zur Bestimmung der Gerinnungsfähigkeit an. Wenn Gerinnungshemmer in Tablettenform (rezeptpflichtig) eingenommen werden, kann der Arzt anhand dieser Werte die Dosis optimieren.

Hinweis: Tests für zu Hause oder in der Apotheke können nicht eine ausführliche Untersuchung beim Arzt ersetzen. So sind mitunter Testergebnisse verfälscht – zum Beispiel, wenn beim Herausquetschen des Blutstropfens Gewebeflüssigkeit mit in die Probe dringt. „Das ist ein klassischer Bedienungsfehler“, sagt Dr. Ursula Sellerberg. Ihr Tipp: Sich in der Apotheke in die Anwendung einweisen lassen und zusätzlich Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen. „Dann ist man auf der sicheren Seite.“

So vermeiden Sie Messfehler

 

  • Lassen Sie sich die Anwendung erklären, und fragen Sie nach, wenn Sie etwas nicht verstanden haben.
  • Lesen Sie zu Hause die Gebrauchsanleitung gründlich durch, und befolgen Sie diese genau.
  • Achten Sie darauf, dass die Tests keiner großen Hitze ausgesetzt sind. Auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums können die Tests versagen. Daher veraltete oder falsch gelagerte Tests lieber wegwerfen.
  • Für Urin-Untersuchungen eignet sich insbesondere der Morgen-Urin. Bei einer Glucose-Untersuchung sollten Sie den Test zudem zwei Stunden nach einer kohlenhydratreichen Mahlzeit wiederholen.
  • Bevor Sie Blut aus der Fingerbeere gewinnen, sollten Sie darauf achten, dass die Hand ausreichend warm und durchblutet ist. Das Blut sollte von allein austreten, daher nie drücken oder quetschen. Für ein möglichst aussagekräftiges Messergebnis den ersten Blutstropfen abtupfen und stattdessen den zweiten verwenden.
  • Den Blutdruck nie in Eile messen, sondern erst einmal fünf Minuten hinsetzen. Messen Sie möglichst immer zur gleichen Tageszeit und unter gleichen Bedingungen. Wichtig: Bei Handgeräten Display bei der Messung immer auf Herzhöhe halten.
  • Egal, welchen Test Sie durchführen: Achten Sie immer auf peinliche Sauberkeit – insbesondere bei Blutuntersuchungen.